Waldpflegemaßnahmen

Kultur- und Jungwuchspflege

Unter der Kulturpflege ist die Pflege einer jungen Kultur (z. B. Saaten, Pflanzungen, aber auch von Naturverjüngung) zu verstehen, bei welcher die Begleitvegetation (meist Gras, aber auch Straucharten wie Brom- und Himbeere) beseitigt oder zurückgedrängt wird.

Kulturpflegen erfolgen grundsätzlich, insofern eine direkte oder indirekte Bedrohung für die Kultur besteht. Neben der Verdämmung, dem Ausdunkeln und ernstzunehmenden Ressourcen-Standortkonkurrenzen durch die Begleitvegetation zählen auch Forstschutzbelange zu solchen Bedrohungen (Grasfilze bieten z.B. auch ein attraktives Habitat für forstschädliche Mäuse). Kulturpflegen stellen meist mechanische Eingriffe wie Freischneiden, Auskesseln oder Niedertrampeln dar. Die selteneren chemischen Bekämpfungen bedürfen einer Genehmigung.

Grundsätzlich sind Kulturpflegemaßnahmen als kostspielig und mühselig einzustufen, daher sollte zuvor eine gründliche Prüfung auf Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit durchgeführt werden. Viele Bedrohungen der Kultur sind nur auf Wiederbewaldungen von Freiflächen präsent. Häufig trägt bereits die Verjüngung unter einem Schirm dazu bei, auf eine Kulturpflege verzichten zu können.

Die Jungwuchspflege beschreibt Maßnahmen im Bestand bis zu einer Baumhöhe von 2 m. Sie werden zur Beseitigung von Strauch- und Baumkonkurrenzen, zur Auflösung extremer Dichtstände, für den Bestandesaufschluss oder zugunsten von Mischungen praktiziert. Da Jungwuchspflegen ebenfalls sehr kostenintensiv sind, sollten sie wohlüberlegt und extensiv durchgeführt werden.

Dickungspflege

Bei der Dickungspflege werden waldbauliche Eingriffe in den sogenannten Dickungen durchgeführt, d. h. in Beständen ab einer Baumhöhe von 2 m und mit Baumdurchmessern von unter 7 cm. Das Wort „Dickung“ ist vom Dichtstand der Bäume abgeleitet, der so in dieser Phase erwünscht ist, um die natürliche Astreinigung der Bäume zu fördern. Daher wird in Dickungen meist nur sehr extensiv eingegriffen.

Grundsätzlich sind Eingriffe jedoch nötig, um z.B. erwünschte Misch- und Nebenbaumarten im Bestand zu fördern, um negative, vorwüchsige Exemplare zu entnehmen (Negativauslese) oder um speziell bei Nadelbäumen mit besonders dichtem Wuchs die Einzelbaumstabilität z.B. gegen Schneelasten durch ausreichend Standraum für breite und lange Kronen zu fördern.

Die Dickungspflege erfordert nicht ausnahmslos den Einsatz der Kettensäge. Auch Baumschere, Baum-Knick- und Ringel-Techniken haben ihre Berechtigung.

Jungbestandespflege

Unter dem Begriff der Jungbestandespflege werden Maßnahmen in Waldbeständen mit Baumdurchmessern zwischen 7 bis 14 cm zusammengefasst. Nach bisherigem Dichtstand findet im Jungbestand ein waldbaulicher Umschwung statt, der die Weichen für die späteren Durchforstungen stellt. Es erfolgen erste Maßnahmen zur Auswahl zukünftig wertvoller, stabiler Bäume (Z-Baumauswahl und Bedrängerentnahmen), Eingriffe zum Erhalt seltener bzw. erwünschter Baumarten und ggf. die Fertigstellung des Bestandesaufschlusses (Feinerschließung).

Raschwüchsige Baumarten mit früher Kulmination des jährlichen Zuwachses (Lärche, Birke, Kiefer, Kirsche) durchschreiten diese Wuchsphase relativ zügig. Bei ihnen gilt es im Besonderen, die Maßnahmen der Jungbestandespflege nicht hinauszuzögern, sondern rechtzeitig umzusetzen.

Durchforstung

Als Durchforstung wird die Bestandespflege in Beständen mit Baumdurchmessern ab 15 cm bezeichnet. Mit den gezielt geführten Baumentnahmen (i.d.R. mit der Kettensäge oder mit Harvester) sind verschiedene Ziele verbunden,  zum Beispiel:

  • die Beseitigung von Dichtständen,

  • die Förderung wertvoller oder besonders stabiler Bäume,

  • die Regulierung der Baumartenmischung,

  •  die Erhaltung oder Verbesserung der Bestandesstruktur und

  • die Abschöpfung des Holzzuwachses…

Die Hochdurchforstung ist eine Art der Durchforstung, bei der Baumentnahmen ausschließlich im herrschenden Bestand (Bäume, deren Kronen nicht oder nur wenig durch Nachbarn beschattet werden) erfolgen. Seltene, wertvolle oder auch besonders stabile Bäume erfahren eine Förderung, indem sehr wuchskräftige, hohe oder ausladende Bäume in deren Nachbarschaft entnommen werden. Den zu fördernden Bäumen stehen dadurch mehr Ressourcen (Licht, Nährstoffe, Standraum) zur Verfügung, was sich positiv auf deren Wachstum, Vitalität und Stabilität auswirkt.

Grundsätzlich werden die zu fördernden Bäume, die sogenannten Z-Bäume (Zukunftsbäume), im Rahmen solcher Auslesedurchforstungen markiert und deren Bedränger entnommen. Die Stärke und Wiederholungsintensität von Hochdurchforstungen orientiert sich hierbei insbesondere am Kronenzustand der Z-Bäume (frei oder bedrängt, kreisrund oder eingeklemmt, ausreichend lang oder kurz). Zu starke Durchforstungen können sich jedoch negativ auswirken und eine mittel- bis langfristige Destabilisierung eines Waldbestandes herbeiführen.

Bestandesaufschluss

Bereits in sehr jungen Waldentwicklungsphasen können Pflegepfade oder Pflegelinien mit einer Breite von 1 m bis 2 m im Waldbestand angelegt werden. Sie dienen im Wesentlichen der Orientierung und besseren Zugänglichkeit im Waldbestand, der Einteilung von Arbeitsblöcken sowie der Markierung der künftigen Rückegasse.

In älteren Waldentwicklungsphasen werden diese Pfade zu 4 m breiten Rückegassen erweitert, in einem feststehenden Abstand (z.B. 24 m oder ein Vielfaches hiervon) angelegt und dauerhaft markiert.

Über Rückegassen erfolgt der Holzabtransport aus dem Bestand auf die Waldstraße und häufig auch die hochmechanisierte Holzernte (Harvester und Forwarder). Deshalb ist besonderes Augenmerk auf die Anbindung der Rückegasse an den befestigten Waldweg (insbesondere auch im Hanggelände) zu legen. Der Verlust an eigentlicher Holzproduktionsfläche durch den Bestandesaufschluss wird nachweislich durch die besseren Ressourcenbedingungen für benachbarte verbliebene Bäume kompensiert.

Für eine bodenschonende Waldbewirtschaftung ist die konsequente Einhaltung des Feinerschließungssystems ein unbedingtes Muss. Dies schließt ein Nicht-Befahrungsgebot des eigentlichen Bestandes mit ein und sollte auch bei der Planung und Umsetzung der nächsten Waldgeneration im Rahmen der Verjüngung nicht vergessen werden (einmal Rückegasse – immer Rückegasse).